OSTHEIM

Wiesen-Visionen

Wildkräuter-Äcker könnten eine echte Alternative für Mais bei der Biogas-Ressource sein
Bunt, vielfältig, artenreich – so präsentieren sich die Wiesen derzeit in der Rhön. Und darüber schwebt ein faszinierender Duft von unterschiedlichster Intensität.
 

Hört man genauer hin, ist ein permanentes Summen tausender Insekten zu hören. Wildbienen, Hummeln, kleine Libellenarten und unzählige Schmetterlinge schwirren durchs Feld.

Geht es nach Werner Kuhn, kann die bunte Wildkräuterwiese in Zukunft zum normalen Bild auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gehören. Werner Kuhn ist Landwirt, Landschaftsgärtner, Jäger und Mitarbeiter in der Landesanstalt für Gartenbau in Veitshöchheim und er hat Visionen. Die erörterte er überzeugend und nachvollziehbar in Ostheim interessierten Landwirten und Jägern. Die Idee ist einfach, aber komplex in ihrer Ausführung. Kuhn sieht ein großes Potenzial an Wildpflanzen für Biogas. Heutige Biogasanlagen sind meist auf Mais als Energiequelle angewiesen, den Kuhn als Ressource für erneuerbare Energie auch weiterhin sieht. Wildpflanzen seien aber eine Alternative dazu, und zwar aus verschiedenen Gesichtspunkten für den Landwirt und für das Biosystem. 28,7 Milliarden Euro werden mit erneuerbarer Energie Deutschlandweit erzielt, davon allein elf Milliarden Euro aus Biomasse, 96 000 Arbeitsplätze wurden so geschaffen.

„Mais ist fast nicht zu toppen, ist züchterisch perfekt und für Biogas ideal“, referiert der Kämpfer Kuhn. Im gleichen Atemzug aber hat er Folgeprobleme parat. Er zählt einen Teufelskreislauf auf, den er unterbrechen will. Durch den Maisanbau und der frühzeitigen Ernte wird die biologische Artenvielfalt und der Verlust von Nahrungshabitaten bei Wildtieren und Bodenbrütern eingeschränkt, da zum Erntezeitpunkt viele heimische Arten brüten. Auch sei der Flächenanspruch und die Nutzungsintensivierung zu hoch, führt Kuhn aus. Vielfach sind die Maisäcker nah an den Waldrand gerückt. Dort verkrieche sich Schwarzwild und lasse dem Jäger keine Chance auf einen Abschuss. „Finden wir hier keine gemeinsame Lösung wird das Reviersystem und das Jagdsystem von selbst in Frage gestellt“, prognostiziert der Jäger Kuhn.

Erfolg sieht er in den 13 000 Hektar ausgesätem „Lebensraum 1“ einer Mischung unterschiedlichster Pflanzen, die im ersten Jahr Ertrag bringen und im zweiten und dritten Erntejahr sich selbst regulieren, ohne Pestizide oder Pflanzenschutzmittel. Aus 214 Arten wurden letztendlich 80 Pflanzen als geeignet in Feldversuchen getestet, um diese in Biogasanlagen als Energieträger zum Mais mit einzubringen.

Dadurch, dass keine Giftstoffe oder Dünger ausgebracht werden müssen, kann sich Kuhn auch eine Nutzung in Wasserschutzgebieten vorstellen. „Biogas kann auch schön aussehen und der Ertrag liegt schon sehr nahe an dem von Mais“, so Kuhn über die ersten Zahlen, die aktuell vorliegen. Das Projekt läuft im Dezember 2010 aus und Kuhn hofft, die zweite und größere Phase bereits 2011 einläuten zu können.

Auch Matthias Klöffel, Landwirtschaftsmeister, aktiver Landwirt, Geschäftsführer der Bioenergie Bad Königshofen und Kreisobmann des Bauernverbands, sieht in den Wildkräuterwiesen eine echte Alternative zum Maisanbau. „Die Biogasbetreiber sind schon lange auf der Suche nach neuen Energien die eingesetzt werden können“, erklärte Klöffel. Sieben Prozent erneuerbare Energien werden momentan in Deutschland eingesetzt. Diese Zahl werde künftig wachsen. Zwei Milliarden Hektar, oder 17 Prozent, werden für Nachwachsende Rohstoffe verwendet und 10 Milliarden Hektar für Nahrung und Futterzwecke. In Rhön-Grabfeld macht der Maisanbau 5,8 Prozent oder 2488 Hektar aus, was zum Vergleichsjahr 1983 mit 2382 Hektar nur leicht gewachsen ist und 1996 sogar auf 1620 Hektar zurück gegangen ist.

Klöffel appelliert auf eine gemeinsame Lösung von der Landwirtschaft, Biogasbetreibern, Jägern und Fachgremien. Das Projekt Agrobiodiversität wurde im Anschluss von Karl-Heinz Kolb, von der bbv-LandSiedlung in Bad Neustadt vorgestellt. Kolb beleuchtete den Aspekt der Umweltberatung für die Landwirtschaft und den erweiterten Nutzen neuer Anbaumethoden und deren Vermarktungsstrategien. Für Gemeinden könne die Nutzung von Grünflächen und Flächen in Wasserschutzgebieten eine zusätzliche Einnahmequelle bedeuten, so Kolb.